Windpark Lindenberg – Halbzeit im Begleitgruppenprozess

Der Verein Pro Lindenberg konnte im vergangenen Jahr im Begleitgruppenprozess als Mitglied mitwirken,und hat dies mit viel Engagement wahrgenommen. Es sei hier angemerkt, dass der Begleitgruppenprozess von der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Firma Sociolution mit Kompetenz geleitet wird.

Unsere Erkenntnisse aus den bis dato behandelten Themen:

1. Politische Ausgangslage

Das für den Windpark vorgesehene Gebiet wurde von den beiden Regionalplanungsgruppen IDEE Seetal und REPLA Oberes Freiamt zusammen mit den Gemeinden Hitzkirch (LU), Hohenrain (LU) und Beinwil Freiamt (AG) geplant und ausgeschieden. Auf Aargauer Seite besteht ein Kantonaler Richtplan der aber noch nicht offiziell publiziert ist. Auf Luzerner Seite besteht noch kein kantonaler Richtplan. Die damalige Planungsgruppe hat einen sogenannten Letter of Intent gegenseitig unterzeichnet, in dem festgehalten wird, dass man sich untereinander in der Planung für diesen Windpark abspricht. Dies ist im Planungsprozess nicht erfolgt. (Siehe Medienmitteilung der Gemeinde Hitzkirch). Die Positionen der Gemeinden sind nach wie vor untereinander nicht geklärt. Die vorliegenden Protokolle der Steuerungsgruppe belegen dies.

Mit dem Vorgehen der Initianten, nämlich das Projekt auf der Aargauer Seite voranzutreiben, werden diese Kooperationsvereinbarungen klar verletzt, und den Bürgern und Anwohnern der Luzerner Anwohnergemeinden (die geplanten Windkraftanlagen werden hart an die Luzerner Kantonsgrenze zu stehen kommen) die politische Möglichkeit einer Einflussnahme an der Urne verwehrt. 

2. Vögel und Fledermäuse

Die einleitend von den Initianten angeführten Vogel-und Fledermauskataster der Vogelwarte Sempach und anderer Vogelschutzorganisationen waren klar veraltet. Auf unser Begehren wurde eine Beobachtungsgruppe geschaffen, die begleitend mit der ausführenden Firma der Initianten der Nateco AG die Kataster auf die tatsächlichen heutigen Gegebenheiten auf dem Lindenberg aufarbeiten. Wir zählen auf dem Lindenberg bis zu 20 Rotmilan Paare mit Nistplätzen, knapp ein Dutzend Feldlerchen Nester und uns besuchen im Sommer täglich zwischen 20 – 80 Weissstörche aus beiden Talseiten, die den ganzen Tag ihre Futtersuche auf der Müswanger Allmend und im Bereich Grod wahrnehmen. Fledermaus-Populationen sind nachgewiesen und befinden sich sowohl im Bereich Horbener Weiher, als auch in den Waldschneisen beim Gestüt Schlatt und an den Waldrändern im Grod und der Müswanger Allmend.

3. Grundwasser

Die vom Experten aufgezeigten Grundwassersituationen auf dem Lindenberg zeigen auf, dass zwar Fundamente auf den verfestigten Moränengebieten gebaut werden können, dass aber die genaue Verästelung, die Flussrichtungen der Grundwasser und deren Pegelstände nur ungenau und vermutet dokumentiert sind. Im Klartext heisst das, dass niemand eine Garantie abgeben kann (und auch will) dass die eh schon knappen Grundwasserreserven auf dem Lindenberg nicht gefährdet sind. Betroffen wären in jedem Falle beide Kantonsseiten mit ihren Wasserfassungen.

4. Windmessungen / Wirtschaftlichkeit

Die vorgelegten Windmessdaten und die gezogenen Schlüsse von Meteotest sind zu ungenau (lediglich Monatsmittelwerte) als dass sie zu einer schlüssigen Aussage hinzugezogen werden können. Der Verein hat die Offenlegung der Tageskurven pro Monat verlangt, und diese stehen nun auch zur Verfügung. Auf dieser Basis können nun konkrete und aussagekräftige Zahlen zum Wind abgeleitet werden. Eine Tatsache bleibt, dass sogenannte Schwachwindkraftanlagen mindestens 5.5 – 6.5 m/s Wind benötigen um überhaupt wirtschaftlich ohne Subventionen betrieben zu werden. Dass die Schweiz kein Windland ist, haben diverse Experten schon aufgezeigt, und wir wiederholen das gerne hier auch nochmals.

Die Wirtschaftlichkeit wird auf der Basis der zu erwartenden Subventionen aufgebaut. Die damals von Swissgrid erteilten Basisdokumente (wem wurden die Anlagen bewilligt, wieviel Subventionsanteile wurden damals gesprochen) sollten der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, da dies ja Bauwerke von öffentlichem Interesse sind. Leider werden diese Originaldokumente zur Einsicht von den Initianten verweigert. Somit kann die präsentierte Wirtschaftlichkeit von uns nicht nachvollzogen werden, da ja die Basisdaten der Berechnung, nämlich die erteilte Subvention nicht vorliegt. 

5. Landschaft, Visualisierung

Die vorgestellten provisorischen Anlagetypen sind in Ihrer Grösse alle über 200 Meter Gesamthöhe. Damit sprechen wir hier von den 4 höchsten je projektierten Industrieanlagen in der Schweiz. Die Anlagen sind höher als der Sendemast Beromünster, der Uetliberg Sendeturm oder fast doppelt so hoch wie der Prime Tower in Zürich. Diese Anlagen will man nun in ein Naherholungsgebiet stellen. Der Windpark Lindenberg liegt nicht in dem vom Bund aufgeführten Windpotentialgebieten.

Die Visualisierung hat auch gezeigt, dass die auf unseren Plakaten dargestellten Windkraftanlagen sowohl von der Grösse als auch von der Positionierung ziemlich genau dem entsprechen, was die Initianten nun als Visualisierung an ihren Ausstellungen gezeigt haben.

Zusammenfassung Begleitgruppenprozess - Halbzeit

Wie auch in unserem Flyer (Download) dargestellt, stellen wir bei Halbzeit des Begleitgruppenprozesses fest:

 

• Unsere Grundwasser sind gefährdet, es gibt keine Garantie der Initianten

• Die Wohnqualität der umliegenden Wohnsiedlungen wird massiv reduziert

• Fauna und Flora werden mit diesen Anlagen bedroht und Tiere wandern ab

• Die umliegenden Liegenschaften werden (und sind bereits) massiv entwertet

• Dadurch resultieren in den Anrainergemeinden massive Steuerverluste 

• Die Energie wird nicht in der Region genutzt. 

   (Erdstromleitung nach Muri und Einspeisung ins öffentliche Netz)

• Die Schweiz ist kein Windland.
   Die geplanten Anlagen haben lediglich ein Potential von ca. 15%

• Der Stromgestehungspreis dieser Anlagen beträgt 15.5 Rappen.
   3 x mehr als Wasserkraftstrom und 1.4 x mehr als Photovoltaikstrom 

• Die Luzerner Kantonsseite wird im Entscheidungsprozess benachteiligt.

• Die Mindestabstände sollten im Minimum die 7 fache Länge der Rotoren-
   durchmesser betragen, oder mindestens mehr als 1000 Meter.
   Wir fordern die 10H Regelung wie sie im Ausland angewendet wird 

• Das Naherholungsgebiet wird sehr stark abgewertet

Der Verein Pro Lindenberg sieht bis dato keine Argumente oder Fakten, die uns veranlassen könnten, diesen Windpark gutzuheissen.

 

Im Gegenteil, dieser Windpark
ist mit allen Mitteln zu verhindern.
 
Hier gibt es nur einige wenige Gewinner
(Stromkonzerne und Pachtlandbesitzer)

aber Tausende von Verlierern
(Konsumenten und Anwohner).